Kürzlich gab der Ex-Radrennprofi und Dopingsünder Lance Armstrong US Talkmasterin Oprah Winfrey ein exklusives TV-Interview. Die Zuschauer erwarteten brisante Enthüllungen zu seiner Doping-Vergangenheit. Schliesslich haben sich bei Oprah Winfrey schon viele Promis offenbart. Auch Michael Jackson war einst ihr Gast. Am 10. Februar 1993 führte Winfrey auf der Neverland Valley Ranch ein 90-minütiges Interview mit dem Popstar. Sie fragte ihn damals, ob er seine Haut bleiche. In einem Zeitungsartikel, der vom Armstrong-Interview und Stars handelt, die bei der Talkmasterin eine "Beichte" ablegten, wurde auch Michael Jackson erwähnt. Er habe Oprah Winfrey gestanden, sich die Haut gebleicht zu haben, steht darin.
Diese Aussage trifft absolut nicht zu. Weder bleichte Jackson seine Haut jemals noch gestand er dergleichen. In der Show enthüllte er etwas ganz anderes: "Soviel ich weiss, ist Hautbleichung nicht möglich", sagte er und fügte an: "Ich leide an einer Hautfunktionsstörung." Das heisst, Michael Jackson litt an der Hautkrankheit Vitiligo, auch als Weissfleckenkrankheit bekannt.
Obwohl es seit 20 Jahren offiziell ist, dass Jackson an Vitiligo erkrankte, halten sich die Hautbleichungsgerüchte hartnäckig. Hin und wieder höre ich Leute fest überzeugt sagen, teilweise nicht einmal mit bösem Unterton: "Michael Jackson bleichte sich die Haut."
Vor gut einer Woche liess ein Kommentar des Hautarztes Dr. Arnold Klein die Diskussion um die hellhäutigen Kinder des schwarzen Künstlers erneut aufflammen. Mit einem Foto aus seiner Kindheit und einem geheimnisvollen "Hmmmm..." als Kommentar verwies Klein auf ein Bild von Jacksons 15-jährigem Sohn Prince Michael. Damit wollte der Hautarzt vermutlich auf die Ähnlichkeiten zwischen ihm und Prince aufmerksam machen und vielleicht alte Gerüchte um seine Vaterschaft in Umlauf bringen. Unter den Online-Lesern, die über Jacksons Vaterschaft diskutierten, meinte jemand zu den hellhäutigen Kindern: "Er wollte aber weiss sein und hat darum weisse Kinder."
Ich nutze diesen Kommentar als Gelegenheit, um wieder einmal klarzustellen: Michael Jackson wollte nicht weiss sein. Eher war er dazu verflucht, weiss zu sein. Spätestens seit den veröffentlichten Dokumenten der Autopsie sollte allen Skeptikern einleuchten, dass Michael Jackson seine Haut nicht bleichte, sondern an Vitiligo erkrankt war. Im Autopsiebericht steht etwa: "Die gesamte Haut des Verstorbenen weist Flecken mit heller und dunkler Pigmentierung auf." Nachlesen kann man es im Autospiebericht auf Seite 3 und 36: http://i2.cdn.turner.com/cnn/2010/images/02/09/mj_autopsy.pdf .
Im Buch "You Are Not Alone: Michael, Through a Brother's Eyes" äussert sich sein älterer Bruder Jermaine Jackson ausführlich zu Michaels Hautkrankheit. Er schreibt, dass sein Bruder um 1982 einen kleinen weissen Flecken auf seinem Bauch bemerkt habe. Jackson versuchte die Flecken, die sich immer mehr ausbreiteten, so gut wie möglich zu verdecken. "Seine Kleider und Showkostüme auf der Victory-Tour zeigten so wenig Haut wie möglich: Gewänder mit Rundkragen, hochgeknöpfte Hemden und Ärmel, die nur wenig vom Handgelenk zeigten", erinnert sich Jermaine Jackson in seinem Buch. Er betont, wie traumatisch die weissen Flecken, die sich nach und nach auf Jacksons Haut zu vermehren begannen, für seinen imagebewussten Bruder gewesen sein müssen.
Jacksons Make-Up-Artistin Karen Faye war seine Rettung. Um "Thriller" herum stiess sie zu Michael Jacksons Team. Erstmals bemerkte sie seine weissen Flecken beim Dreh des Videoclips "Say, Say, Say" 1983. Damals war es noch einfach, die weissen Flecken auf den dunklen Hautton des restlichen Körpers abzustimmen. Aber irgendwann waren nur noch büschlige Flecken seiner natürlichen Hautfarbe übrig. Die pigmentlosen Hautstellen hatten Überhand genommen. So musste Karen Faye die dunklen Hautstellen kaschieren, indem sie diese den hellsten anpasste. Da Michaels Haut den grössten Teil der dunklen Pigmente verloren hatte, war es unmöglich, einen dunkleren Hautton beizubehalten, vor allem, wenn Michael Jackson schwitzte, wie Jermaine Jackson präzisiert.
Michael Jackson talks to Oprah Winfrey:
Auf Deutsch nachlesen kann man das komplette Interview zum Beispiel auf der Homepage des Swiss Michael Jackson Fanclubs: http://www.jackson.ch/oprahwinfrey.htm
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